Lohnfertigung oder Fremdarbeit / verlängerte Werkbank

Unser ERP-Modul Lohnfertigung unterstützt Sie sehr intensiv, wenn Sie mit einem Lohnfertiger zusammenarbeiten. Nun wollen wir uns ansehen:

  • Was Lohnfertigung ist und welche Varianten es in 2017 gibt
  • Was Lohnfertigung bedeutet und wie es sonst noch genannt wird
  • Wie Sie die Lohnfertigungsprozesse der Fremdfertigung in Ihre eigenen Prozesse integrieren
  • Welche Vorteile und welche Nachteile Lohnfertigung hat
  • Wie Sie die Qualität der Lohnfertiger mit unserem QM-Modul überprüfen können
  • Wie Sie einzelne Lohnfertiger bewerten und vergleichen können
  • Welche typischen Arbeitsgänge es in der Lohnfertigung gibt
  • Wie Sie Lohnfertigungsteile bewerten, während Sie außer Haus sind
  • Wie Sie sicherstellen, dass geplante Termine eingehalten werden können
  • Wie Sie wiederkehrende Fahrten zu / von Ihrem Lohnfertiger auch im Hinblick auf Ihre eigene Produktionsplanung (link) am besten planen und organisieren

Das ist Lohnfertigung

Lohnfertigung bedeutet, dass ein anderer Betrieb Arbeiten und Produktionsschritte an Ihren Teilen vornimmt. Dies sind meistens Arbeiten wie CNC-Fräsen oder andere CNC-Fertigung, Tieflochbohren, Flachschleifen, Drahterodieren / Senkerodieren, Lasern, Brennen oder Wasserstrahlschneiden, Lackieren, Härten, Blechbearbeitung oder auch die Oberflächenbearbeitung.

Auch Montagetätigkeiten wie z. B. die Baugruppenmontage, bei der Sie alle fertigen Baugruppen zur Montage versenden, anfallende Nacharbeit sowie das Verpacken gehören zur klassischen Lohnfertigung.

Manchmal gehen Teile auch außer Haus, weil die eigenen Kapazitäten in Zeiten hoher Auslastung nicht ausreichen.

Welche Bezeichnungen existieren sonst noch für die Lohnfertigung?

Lohnfertigung wird auch als "Verlängerte Werkbank" oder als Fremdarbeit bezeichnet. Theoretisch könnte auch der Begriff des Outsourcing die Lohnfertigung beschreiben, das wäre aber zu allgemein, da beim Outsourcing alle Leistungen und Dienstleistungen gemeint sind, die als Auftragsarbeit ausgeführt werden.

Wie integrieren Sie die Lohnarbeiten in Ihre eigenen Prozesse?

Hierzu ein Beispiel: Sie sind im Formenbau tätig und fertigen Spritzgießwerkzeuge. Ihre Drahterodier-Maschinen sind komplett ausgelastet, weshalb Sie beschließen, diesen Arbeitsgang durch einen Lohnfertiger ausführen zu lassen. Die notwendigen SPS-Programme genauso wie die Frästeile, welche in Ihrem Haus auf einer 5-Achsen-Fräse kommen und nun erodiert werden sollen, müssen zum Lohnfertiger gelangen. Der Zeitpunkt ist durch den Arbeitsplan der Stückliste bereits festgelegt. Sobald der eigene Arbeitsgang "CNC-Fräsen" abgeschlossen ist, soll das Teil zur Lohnfertigung transportiert werden. Eine ganze Reihe von Vorgängen sollte jetzt in Ihrem Betrieb ablaufen.

  1. Eine Bestellung des fertig erodierten Teils wird generiert.
  2. Ein Lieferschein für die CNC-Frästeile, die notwendigen SPS-Programme und die zugehörige CAD-Zeichnung wird erstellt.
  3. Eine Spedition oder der eigene Fuhrpark beziehungsweise ein Fahrzeug des Lohnfertigers wird für den Transport beauftragt.
  4. Eine Lagerbuchung sollte die Frästeile von Ihrem Lager abbuchen und auf das Lager Ihres Fremdfertigers zubuchen.
  5. Für die Dauer des Fremdarbeitsganges bleibt das Teil auf dem von Ihnen geführten Lieferantenlager liegen.

Anschließend kann der Außer-Haus-Arbeitsgang starten. Eine Terminüberwachung haben wir automatisch durch den Bestellvorgang des erodierten Teils ausgelöst. Hiermit kann eine Erinnerung oder Mahnung an den Lieferanten erfolgen und auch die Disposition der nachfolgenden Teile wird aufgrund der Bestellung korrekt gewährleistet. Sobald die Arbeit erledigt ist, wird das Teil zur weiteren Arbeit zu Ihnen zurück geschickt. Hier sollten folgende Schritte erfolgen:

  1. Ein Wareneingang des gelieferten Teils findet statt.
  2. Die Ware wird geprüft. Evtl. gibt es Messungen oder andere Prüfungen, welche mit einem Prüfprotokoll im 3S QM-System hinterlegt werden. Hier können auch Prüfarbeitsgänge definiert sein.
  3. Das Teil wird in unserem Lager wieder zugebucht und ggf. automatisch an den Arbeitsplatz des nächstfolgenden Arbeitsganges verlagert.
  4. Das Teil wird vom Lager des Lohnfertigers wieder abgebucht, um dieses zu entlasten.

Nachteile durch Lohnfertigung

Es gibt wie immer Vor- und Nachteile für die Entscheidung pro/kontra Lohnfertigung. Da wir selber keine Lohnfertiger sind, können wir Ihnen völlig unabhängig die Wahrheit sagen. Deshalb wollen wir die Nachteile auch nicht verstecken.

Fremde Mitarbeiter

Die zum Teil nur kurzzeitig dort Beschäftigten kennen Ihre Produkte oftmals nicht und haben jeden Tag andere Aufträge von sehr vielen Firmen.

Qualifizierung der Mitarbeiter

Die eigenen Arbeitnehmer qualifizieren sich für die ausgelagerten Arbeitsgänge weniger, während auf der anderen Seite die Angestellten der Lohnfertiger nicht notwendigerweise qualifiziert sind.

Transportkosten

Irgendjemand muss den Transport der Teile zahlen. Vielleicht wird dieser vom Lohnfertiger "bezuschusst", aber diese Kosten entstehen und werden auch irgendwie bezahlt.

Schließlich muss jedes Teil ja zweimal bewegt werden. Hier spielen natürlich auch noch die Risiken von Transportschäden und die zusätzliche Disposition und Verwaltung von Paletten, Behältern oder Ladungsträgern eine Rolle.

Bei Auslandslohnfertigung

  • Es existieren erheblich schlechtere oder sogar fehlende Arbeitnehmerrechte.
  • In manchen Ländern wird die Ausnutzung von Kinderarbeit in Kauf genommen.
  • Die Standards in Sachen Arbeitssicherheit der damit betrauten Werker sind oft deutlich geringer.
  • Werden nicht alle zu verwendenden Komponenten beigestellt, besteht die Gefahr der Nutzung von gefälschten oder gefährlichen Bauelementen.

Konkurrenz

Handelt es sich um einen entscheidenden Produktionsschritt, könnte der Fremdfertiger eines Tages zu Ihrer Konkurrenz heranwachsen.

Vorteile durch Lohnfertigung

Flexibilität

ganz nach Auftragseingang können plötzlich auftretende Spitzen durch die Fremdvergabe abgefangen werden. Bei dem Fremdfertiger stehen oft vielfältigere Möglichkeiten der Bearbeitung zu Verfügung, weil dieser eine höhere Spezialisierung besitzt.

Kosten

Wenn die Lohnfertigung in einem anderen Land stattfindet (z. B. in einem Niedriglohnland), kann zu niedrigeren Kosten produziert werden. Zusätzlich kann es sein, dass das Land selber ein Interesse daran hat, Know-how aufzubauen und dies zusätzlich fördert.

Herstellungstechnik

Wenn das externe Unternehmen einen speziell auf seine Bearbeitung ausgerichteten Maschinenpark und das entsprechende Know-how aufgebaut hat, kann es die Arbeiten vermutlich besser ausführen als der Auftraggeber. Was wiederum zu einer höheren Qualität der Teile führen und sogar die Bearbeitung verkürzen kann.

So überprüfen Sie die Qualität einer Lohnfertigung -
Qualitätssicherung von Outsourcing-Projekten

Wie bei der Bewertung Ihrer eigenen Arbeiten, sollten Sie sich auch bei der Bewertung der Ergebnisse einer Lohnfertigung Gedanken dazu machen, welche Kriterien in die Bewertung einfließen sollen. Bitte bedenken Sie, dass es in diesem Fall nicht nur um die Qualität des Produktes oder der Leistung an Ihrem Produkt geht: Zusätzlich - weil von entscheidender Bedeutung für Ihren eigenen Ablauf - ist es auch notwendig, Werte wie Liefertermintreue und Flexibilität zu bewerten. Diese Werte messen Sie vielleicht auch schon für Ihre Lieferanten; und Ihr Lohnfertiger ist von den Prozessen her nichts anderes als ein Lieferant. Also messen Sie doch die Termintreue ebenso wie bei anderen Lieferanten auch.

Abgabe von Prüf-Verantwortung

Natürlich kann Ihr Lohnfertiger mit seinen Maschinen und Mitarbeitern einen Teil der Verantwortung in der Qualitätssicherung übernehmen. Erstellen Sie eine Aufgabe die beschreibt, welche Werte er wann und in welchem Intervall zu prüfen hat. Die entsprechenden Prüfarbeitsgänge können Sie in unserem QM-Modul verwalten und diese zusammen mit der Bestellung der Leistung an den Lieferanten ausgeben. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich hierbei um ein Einzelteil oder einen Auftrag mit großen Stückzahlen handelt. Sie können mit 3S Azul den Fremdarbeiter die Messwerte direkt in Ihre Datenbank erfassen lassen.

So vergleichen Sie Lohnfertigungsunternehmen

Natürlich hängt es davon ab, ob es sich bei den Unternehmen um eine Serienfertigung im Umfeld der Blechbearbeitung mit Arbeitsgängen wie Kanten oder Laserschneiden mit sehr hoher Präzision handelt, oder ob Sie als Maschinenfabrik Baugruppen oder andere Anlagen montieren oder schweißen lassen und es sich damit eher um eine Einzelfertigung handelt.

Überprüfen Sie bei jeder neuen Lohnfertigung:

  • Hat dieses Unternehmen bereits Erfahrung mit ähnlichen Produkten gesammelt?
  • Verfügt er über Referenzen oder kann er Ihnen Muster von Bauteilen zeigen, die mit Ihrer Aufgabe vergleichbar sind?
  • Stehen die Ressourcen für Ihre Arbeiten spontan bzw. kurzfristig zur Verfügung?
  • Kann Ihr potentieller Partner die geforderte Präzision liefern?
  • Verfügt Ihre verlängerte Werkbank über entsprechende Maschinen und auch das Know-how, diese zu steuern?
  • Beantwortet er Ihre Anfragen zeitnah?

So bewerten Sie Ihr Material, wenn es bei der Lohnfertigung ist

Da Ihre Produkte - auch während sie sich in der Produktion außer Haus befinden - Ihr Eigentum sind, müssen Sie sie z. B. im Rahmen einer Inventur oder permanenten Inventur auch entsprechend bewerten. Dies setzt voraus, dass Ihr ERP-System diese, teils komplexen, Materialflüsse und Fremdleistungen auch entsprechend abbilden kann. Unser auf Produktionsabläufe ausgerichtetes ERP-System ist für diese Aufgabe bestens geeignet , da wir uns seit über 20 Jahren mit allen Prozessen in Produktionsunternehmen beschäftigen.

So überwachen Sie die Termine von Lohnfertigern

Da Sie mit einer Bestellung das "fertige" Teil und die Fertigung oder Leistung bestellen und die Rücklieferung auch über den Wareneingang erfolgt, empfehlen wir Ihnen, auch die entsprechenden Prozesse des Einkaufs zur Terminüberwachung zu verwenden. Hierzu finden Sie in unserer ERP-Lösung komplette Workflows, um die Lieferanten automatisch an Lieferfristen zu erinnern oder auch, um Lieferanmahnungen zu versenden.

Komplexer wird es noch, wenn Sie mit verschiedenen Arbeitsprozessen von Lohnfertigern aus unterschiedlichen Bereichen der Industrie zusammenarbeiten, welche Arbeitsgänge direkt nacheinander erledigen und dabei Ihre Teile direkt versenden, ohne dass diese zwischendurch bei Ihnen sind. Beispiel: nach der Bearbeitung in einem CNC-Zentrum lassen Sie Ihre Teile bei einem anderen Lohnfertiger entfetten. In diesem Fall empfehlen wir Ihnen dringend, den Fortschritt und den Versand entweder elektronisch über EDI oder aber über eine unserer WEB-Schnittstellen von Ihrem Partner direkt in der Software buchen zu lassen. Damit wissen Sie immer ganz genau, wo Ihre Teile sind und wo sie waren.

Regelmäßige Fahrten zu einem Fertigungsunternehmen

Es ist schon ein Unterschied, ob Sie sporadisch Frästeile auf 5-Achsen CNC-Maschinen fräsen lassen, weil Sie selber diese CNC-Fräse nicht besitzen oder ob Sie Arbeitsgänge wie Härten, Pulverbeschichten oder Verzinken, welche immer wieder bei allen Ihrer Teile erledigt werden müssen, regelmäßig ausführen. In diesem Fall etabliert sich oft ein Quasi-Werksverkehr zwischen Ihnen und Ihrem Fertigungspartner. Je nach Durchlaufzeit kann es also sein, das an einem oder zwei bestimmten Tagen der Woche ein LKW zwischen den Beteiligten hin- und herfährt.

Der Transporter liefert die unfertigen Teile (Beistellung) zur Lohnarbeit und bringt die bereits fertigen Bauteile auf dem Rückweg wieder mit. Auf diese Art vermeiden Sie Leerfahrten Ihres Fuhrparks oder Spediteurs.

Sobald Sie diese festen Tage des Verkehrs definieren, kommt wieder unsere 3S Software ins Spiel, denn es spielt für die Planung eine große Rolle, dass unser ERP-Modul zur Produktionsplanung genau weiß, an welchen Tagen die Fremdarbeitsgänge erledigt werden können. Sowohl die vorherigen, als auch die nachfolgenden Arbeiten müssen ja entsprechend ausgerichtet und eingeplant werden. Daher besitzt unser Produktionsplanungsmodul die Möglichkeit, diese Fahrten genau wie alle anderen regelmäßigen Fahrten zum Werksverkehr zu hinterlegen und zu berücksichtigen.

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